Der Lykische Weg mit Baby und Zelt – Transition zurück
Kurz-Zusammenfassung
Vom Ende des Lykischen Weges ging es Schlag auf Schlag: In sechs Stopps und acht Tagen zurück nach Zürich. Die Tage waren geprägt von grossen Kontrasten, viel Fahren und viel Essen. Trotz vieler „letzter Male“ gab es auch neue erste Male; es gab Abschiede, ein Ankommen und das Im-Dazwischen-Sein – noch nicht ganz hier, nicht mehr ganz dort. Ein Beitrag vom Zusammenwachsen – und davon, wie Ivo trotzdem um 1 cm kleiner geworden ist.

Abschied vom Lykischen Weg
Kurz nachdem wir unsere Hand zum Trampen gehoben hatten, blieb ein Wagen stehen. Wir sahen einen Hund und stiegen nach kurzem Zögern ein – Ivo mit Cleo vorne, um sie vor dem Hund zu schützen, und Marie hinten. Es stellte sich heraus, dass zwei Hunde im Auto waren, die mal vorne, mal hinten sassen – und manchmal direkt auf Marie. Sie leckten sie ab, während sie eine noch unbenutzte Fusselrolle unter sich hervorzog. Die Hunde hiessen Bam Bam und Bebiş – zwei freundliche Bulldoggen.
Der Fahrer, Özhan, erzählte uns nach einem kurzen Stopp, um einen Hammer zu kaufen, von seinem Leben auf 1 800 Metern Höhe. Die Temperaturen seien dort angenehm und besser für die Hunde, aber bald wolle er wieder in die Stadt ziehen und als LKW-Fahrer arbeiten – natürlich mit den Hunden. Den kleinen Umweg über eine Seitenstrasse erklärte er damit, dass sein Auto den TÜV nicht bestanden habe und er nach zwei Polizeiwarnungen bei der dritten eine Strafe befürchten würde. Schlussendlich setzte er uns lieber an einer Bushaltestelle ab, von wo aus wir direkt einen Bus mit Sitzplätzen in die Stadt nehmen konnten. So gastfreundlich!
Der Bus war sehr voll, heiss und stickig, doch nach 40 Minuten waren wir in Antalya, mitten im Touristenviertel. Wir erkundeten die Stadt, probierten kulinarische Spezialitäten, waren kurz versucht, eine Louis-Vuitton-Tasche zu kaufen, und beendeten den Abend mit Katmer, einer türkischen Süssspeise.
Auch am nächsten Morgen ging es genussvoll weiter: Aus drei Baklava wurden sechs. Cleo wurde wieder reich beschenkt – mit Babyseife und einem türkischen Grissino. Insgesamt verging kaum ein Tag auf dieser Reise, an dem wir nicht etwas für Cleo geschenkt bekommen hätten: Eier, Bananenmilch, Kuchen, Geld, Streichkäse, Früchte, Schokolade oder Kekse (sogar in Tee getunkt).







Zurück nach Kaş
Von der Millionenstadt Antalya ging es mit dem Bus zurück an Orte, die wir zuvor zu Fuss durchquert hatten: Ulupınar, Göynük, Finike, Demre – und schliesslich nach Kaş, einen Ort mit rund 9 000 Einwohnern.
Dort erwartete uns ein dichtes Programm: Wir wollten Leckereien einkaufen – Tahini-Pekmez-Mischung, Turkish Delight – und Leckereien essen. Endlich wurde Ivo Kumpir vorgestellt – und eine neue Freundschaft war geboren. Es gab auch nochmals Manti und einen Schwumm bei Sonnenuntergang. Wir checkten in derselben Pension ein wie vor drei Wochen. Wahnsinn, was in dieser Zeit alles passiert war.

Kleine Insel, grosse Freiheit: Kastellorizo
Am nächsten Tag nahmen wir die kurze Fähre (7 Minuten) nach Kastellorizo, einer winzigen griechischen Insel nur zwei Kilometer vom türkischen Festland entfernt – mit gerade einmal 550 Einwohnern. Nach einem Tag kannten wir gefühlt ein Drittel von ihnen.
Wir erkundeten die Ortschaft, gingen an einen paradiesischen Strand und genossen das Gefühl, auf einer Insel mit begrenzten Möglichkeiten zu sein. Die Restaurantwahl fiel leicht – man konnte ohnehin alle anschauen und dann dort bleiben, wo es sich gut anfühlte. Es war auch schön, wieder etwas Abwechslung in unsere Menüoptionen zu bekommen.
Die bunten Häuser am Hafen, das Baden und Flanieren – alles wirkte leicht verschlafen. Täglich kommen ein paar Touristinnen und Touristen von der türkischen Seite, verschwinden aber meist am Abend wieder. Wir blieben über Nacht – und erlebten, wie der Ort nochmals stiller wurde. Irgendwie fühlte sich Kastellorizo wie ein Im-Dazwischen-Sein an.
Kastellorizo ist für uns eine unbedingte Empfehlung für einen erholsamen, entschleunigten Urlaub ohne Fear of Missing Out. Die Menschen sind ruhig und freundlich. Unsere Pensionsbesitzerin etwa war völlig ungestresst, als wir ihr sagten, dass wir gerade kein Bargeld hätten: „Wir sehen uns ja ohnehin im Laufe des Tages wieder“ – womit sie recht hatte. Wir trafen sie beim Bäcker und auch am Abend, als sie aus einem Auto stieg. Noch immer ist uns ein Rätsel, warum es auf der Insel überhaupt Autos gibt.









Sonnenaufgang und Weiterreise
Nach einer mückenreichen Nacht stiegen wir zum Sonnenaufgang auf einen der höchsten Punkte der Insel, mit Blick über Kastellorizo bis nach Zypern. Wir hätten gut noch weitere Tage bleiben können – doch von diesem winzigen Ort sollte unsere Fähre nach Athen ablegen.
Während wir gerade unseren neuen Lieblingskaffee, Freddo Espresso, genossen (wir hatten also auch die Transition von Tee zu Kaffee vollzogen), fragten wir den Kellner, wo sie denn abfahren würde. „Ihr seht das schon“, sagte er – und er sollte recht behalten.
Eine Weile später legte die Fähre an. Sie war riesig im Vergleich zum Dörfchen. Vielleicht gibt es mehr Schlafplätze auf der Fähre als auf der Insel.
Der Mann unserer Vermieterin stieg ebenfalls an Bord – mit vermutlich einem Viertel der Menschen auf der Insel – und so verliessen wir dieses friedliche Eiland.




20 Stunden, 7 Stopps, 1 Kajüte und die letzten Tage in Griechenland
Unsere Fähre nach Athen dauerte rund 20 Stunden und machte sieben Stopps: Rhodos, Symi, Tilos, Nisyros, Kos, Kalymnos, Astypalea. Tagsüber sassen wir im Sitzbereich und konnten die erste Hälfte unserer Wanderung Revue passieren lassen, da wir viele der Orte, an denen wir vorbeigekommen waren, vom Meer aus sahen. Für die Nacht nahmen wir doch noch eine Kajüte und schliefen wie Murmeltiere.
Am frühen Morgen klopfte es überraschend an der Tür: Wir würden eine Stunde früher als geplant ankommen. Also packten wir unsere sieben Sachen und verliessen für ein kurzes Athen-Intermezzo die Fähre.
Die Fahrt zu unserer Unterkunft – Thomas’ Wohnung – verlief erstaunlich schnell, und so waren wir bereits am Vormittag da. Nach mehreren Bäckereien, Restaurants und einem weiteren Freddo Espresso ging es schon wieder weiter nach Patras, wo wir die nächste Fähre nehmen würden.








Unsere letzte Mahlzeit in Griechenland war spektakulär – und darf hier nicht unerwähnt bleiben. Ein würdiger Abschluss dieser Teilstrecke: Wir kosteten uns durch eine griechische Speisekarte, die es nur auf Griechisch gab, mithilfe eines freundlichen Kellners. Als wir schon längst satt waren, brachte er uns noch zwei weitere Teller mit Köstlichkeiten, die „vom Haus“ offeriert wurden. Danach rollten wir – im wahrsten Sinne – auf die Fähre.
Dort liessen wir uns, ganz zufällig natürlich, im Espresso Room nieder, wo wir unser Lager für die nächsten 24 Stunden aufschlugen. Mit uns an Bord: rund 100 Schüler:innen einer Berliner Schule, die auf Klassenfahrt in Griechenland gewesen waren – toll, wie nachhaltiges Reisen dort vermittelt wird.
Allerdings war das Deck dadurch recht bevölkert. Als sich spätabends eine kleine, fröhliche Gruppe zu uns gesellte und Ivo um Mitternacht von lautem Gelächter geweckt wurde, erklärte er freundlich und resolut, dass wir gerne schlafen würden – und es war sofort mucksmäuschenstill.
Die Überfahrt zog sich etwas in die Länge, da wir erst um 17:30 Uhr am nächsten Tag in Ancona ankamen. Doch wir genossen die Zeit am leeren Pool mit – richtig geraten – einem weiteren Freddo Espresso, lernten liebe Menschen aller Altersgruppen kennen und fanden Musse, unsere Reiseerfahrungen in einem Bericht für Cleo zu dokumentieren.






Rückblick auf den Wellen
Während wir sanft über die Wellen schaukelten, dachten wir darüber nach, was wir von dieser Reise mitnehmen – und wie die Transition in den Alltag gelingen könnte.
Die Reise war phänomenal. Es war so schön, Cleo in so vielen neuen Situationen zu sehen, wie sie munter mit Menschen interagierte – und Menschen mit ihr. Es gab so viele „erste Male“ – ihre erste Tomate, erste Gurke, der erste Aufenthalt in einem Krankenhaus, die erste grosse Reise mit Mama und Papa.
Wir sind als Familie noch enger zusammengewachsen; jede Beziehung wurde gestärkt, weil wir als Team funktioniert und uns gut ergänzt haben. Uns ist so viel Liebe begegnet. Cleo hat fast jedes Herz geöffnet, das in ihre Augen geblickt hat – und es war wunderbar, die Reaktionen so vieler unterschiedlicher Menschen aus verschiedenen Kulturen zu erleben.
Durch sie hatten wir noch mehr Kontakt zu Einheimischen, als wir es beim Alleinreisen sonst hätten. Diese Dankbarkeit, Freude und Offenheit allen Kulturen gegenüber möchten wir mit nach Hause nehmen – ebenso die Lebensfreude, das gute Essen (vor allem das Frühstück!) und die Freude an gemeinsamer Bewegung im Freien.
In Zürich möchten wir weiterhin genug Raum – besonders zeitlich – haben, um Menschen willkommen zu heissen, Kontakte zu pflegen oder einfach dem Ruf der Muse zu folgen. Ivo hatte sich dieses Jahr einige Ferientage dazugekauft – eine grossartige Entscheidung. Schon träumen wir von neuen Ideen für die kommenden Jahre. Das gemeinsame Fernwandern wird sicher ein Teil davon bleiben, je nachdem, wie Cleo mitlaufen möchte.
Zurück in Italien
Nach dem Anlegen folgten einige kulinarisch geprägte Stopps. Vielleicht wirkt das etwas einseitig, doch die „gustochromatische“ Vielfalt dieser Reise lässt sich kaum in Worte fassen.
In Ancona sassen wir keine zehn Minuten nach Ankunft bereits in einer Pizzeria und stellten uns kulinarisch auf Italien um. Wie die Hobbits mit ihren „zweiten Frühstücken“ gönnten wir uns auch zwei Abendessen – durch die Zeitverschiebung waren wir schlicht zu hungrig.
Zwischen den Mahlzeiten checkten wir ein, duschten und richteten das Zimmer so ein, dass Cleo nicht aus dem Bett fallen konnte – meist schoben wir einfach ein Bett an die Wand. Das hat fast überall funktioniert.
Am nächsten Morgen folgte ein Highlight: Wir frühstückten im selben Café (Bagolo), in dem wir auch fünf Wochen zuvor gegessen hatten. Wir bestellten dasselbe wie damals und beobachteten das italienische Treiben – unzählige Menschen, die für einen Espresso oder Cappuccino und eine Brioche hereinkamen und gleich wieder gingen. Wir blieben 45 Minuten sitzen, bevor wir mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Mailand weiterreisten.


Wiedersehen in Mailand
In Mailand erwarteten uns gleich zwei Wiedersehen: Zum einen freuten wir uns, wieder in der Stadt zu sein, mit der wir so viele schöne Erinnerungen verbinden. Zum anderen wartete auf dem Platz vor dem Bahnhof, in ein Yogabuch vertieft, Ivos Mutter – mit ihr verbrachten wir einen wunderbaren Mittag und Nachmittag.
Vielleicht folgt irgendwann ein eigener Post über chinesisches Essen in Mailand, denn das war unser nächstes Highlight.
Ein weiteres „erstes Mal“: Ivos Pediküre in Mailand. Über eine Stunde lang wurde ein Zentimeter Hornhaut von seinen Füssen geschabt, während er sich mit der chinesischen Fusspflegerin über Gott und die Welt unterhielt. Als wir bezahlen wollten, kam der Besitzer des Salons dazu – und nach kurzem Gespräch fanden wir heraus, dass er und Ivo „Kommilitonen“ an der Peking University gewesen waren. Wir erhielten sogar 20 % Rabatt, wenn wir sein Restaurant besuchten.






Heimkehr
Auf dem Weg zum Bahnhof gab es noch Bubble Tea und chinesische Glückskekse. Passenderweise sagte Maries Glückskeks: „A journey is waiting for you“ – die Vorfreude auf die nächste Reise beginnt also bereits. Und schon waren wir nur noch drei Stunden von Zürich entfernt. Im Zug mehrte sich das Schweizerdeutsch, das uns schon auf der Fähre vertraut geworden war. Wir fühlten uns fast schon wie zuhause – mit den Schweizer Durchsagen über zweiminütige Verspätungen.
Während wir diesen Post schrieben, waren die Zwischenmieter bereits ausgezogen, die Rucksäcke nochmals auf Bettwanzen überprüft, und am frühen Abend kamen wir an – und begannen das Abenteuer Zürich sogleich mit einem erfrischenden Bad im Zürichsee.
In den nächsten Wochen ändern sich nicht nur die Herbstfarben und Bäume massiv, sondern auch vieles hier: Cleo beginnt die Kita. Marie beginnt wieder zu arbeiten, und Ivo startet seinen Meditationskurs. Vielleicht gibt es hier irgendwann wieder ein Update über die spannenden Alltagsabenteuer.





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